Gran Castello Historic House – das Folkloremuseum

Eines der interessantesten und unbedingt sehenswerten Museen auf dem Gelände der alten Zitadelle ist das Folklore- oder Volkskundemuseum.

Seit 2016 trägt es offiziell den Namen Gran Castello Historic House.

Von der Kaufmannsvilla zum Folkloremuseum

Das Historic House befindet sich in einer Flucht von miteinander verbundenen historischen Gebäuden in der Bernardo de Opuo-Street, nicht weit von der Kathedrale entfernt. Diese Häuser gehören zu den wenigen, die aus der Zeit vor den großen Umbauarbeiten durch den Malteserorden erhalten geblieben sind, und sollten allein deshalb selbst als ein Teil der Ausstellung betrachtet werden.

Die anspruchsvolle spätgotische Architektur, die sowohl sizilianische als auch katalanische Einflüsse erkennen lässt, deutet darauf hin, dass es sich bei ihnen um im bereits im 15. oder frühen 16. Jahrhundert erbaute Wohnhäuser reicher und einflussreicher gozitanischer Familien handelte. 1986 wurden sie restauriert und als Museum umgestaltet.

Die vielfältigen dauerhaften Ausstellungen des Museums befassen sich mit dem kulturellen Leben auf der Insel, mit dem Kunsthandwerk, der Landwirtschaft und der Fischerei, aber auch den religiösen Traditionen der gozitanischen Bevölkerung.

Mittelalterliches Inselleben hautnah

Im Erd- und Zwischengeschoss wurden die bestehenden Wohn- und Arbeitsräume der Patriziervilla so rekonstruiert und beispielhaft ausgestattet, dass der Besucher einen Eindruck vom Leben sowohl der Herrschaft als auch der Bedienstent der Zeit bekommt.

In den restlichen Zimmern werden Alltagsgegenstände, Werkzeuge und Gerätschaften aus der Landwirtschaft und dem Bereich des ländlichen Handels präsentiert. Darunter eine komplett ausgestattete Schmiedewerkstatt, verschieden Variationen von Zisternen für den Hausgebrauch und ein seltenes Exemplar der früher auf der Insel typischen aus Globigerinkalkstein gehauenen Küchenherde.

Das Herzstück auf ist der zentrale Mühlenraum mit der großen Göpelmühle. Ihr schwerer Mühlstein müsste früher einmal von Eseln gezogen und bewegt werden, um das Mahlen von Getreide auf Gozo zu ermöglichen.

Bizzilla – Teil der Kultur, Teil des Lebens

Im oberen Stockwerk befinden sich Exponate des Kunsthandwerks. Allen voran die Bizzilla, jene feine von Hand hergestellte Spitze, für die Gozo in der ganzen Welt bekannt ist. Die Tradition des Spitzeklöppelns reicht bis mindestens in die Ritterzeit zurück und kam von aus Genua auf die Inseln. Zunächst nach Malta und bald auch nach Gozo.

Auf Spaziergängen durch die ländlicheren, von Tagestouristen oftmals links liegen gelassenen, Ortschaften sieht man noch manchmal ältere Frauen mit einem Klöppelkissen auf dem Schoß vor ihren Häusern sitzen und die typische Gozospitze herstellen.

Eine sogar noch längere Geschichte auf Gozo haben die Weberei und Fischerei, denen ebenfalls Räume gewidmet sind. Die Kunst des Webens und Färbens von Stoffen wurde bereits im 9. Jahrhundert von den Arabern auf die Insel gebracht. Neben Spinnrad, altem Webstuhl und den Klöppelkissen sämtlicher Größen – teilweise groß genug für die Fertigung von Tischdecken – werden auch verschiedene Trachten Platz in der Ausstellung.

Eine Raum, fast schon ein kleines Museum im Museum, widmet sich allein der Geschichte der frühen Gozo Fähre. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war die Überfahrt von und nach Malta nämlich ausschließlich in Luzzu-Booten möglich. Kleinen bunten Fischerbooten also, die sich weit besser als Postkartenmotive eignen als für den Personenverkehr.

Unser Tipp:Wer sich beim Besuch des Museums in die berühmte Gozospitze verliebt, der findet rechts hinter der Kathedrale, gut versteckt in einem der typischen engen Gässchen, noch einen Laden, der diese handgemachte Spitze verkauft.

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